Wodurch werden Mit-Arbeiter zu Mit-Denkern
Zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren einer Klinik zählen die Mitarbeiter. Wodurch werden Mit-Arbeiter auch zu Mit-Denkern? Wie wird aus Frust wieder Lust an Leistung? Woran orientiert sich Unternehmens- und Menschenführung?
Zur Situation
Heute wird in Unternehmen und der Öffentlichkeit sehr viel diskutiert über Reibungsverluste, Verantwortungsschwäche, Zukunftsängste, Konfliktsituationen, Leistungsschwund, Mutlosigkeit, Lebenshektik, Interesselosigkeit, Anspruchshaltung, Sicherheitsdenken, u.s.w…
Die innere Verfassung und Haltung der Mitarbeiter eines Unternehmens bilden das wahre Kapital. Das, was nach außen strahlt als Dienstleistungsqualität, als Kultur, was letztlich das Betriebsergebnis darstellt, liegt am Menschen – wie er denkt, empfindet, handelt und welche Leistung er erbringt.
Aber: Wer erbringt schon Leistung, wenn er keinen Sinn im Tun erkennt? Wer kann sich überzeugt für etwas engagieren, wenn er keinen Wert darin erfassen kann? Wer übernimmt schon Verantwortung, wenn ihm nicht klar ist wofür? Wer gibt schon sein Bestes, wenn er nicht weiß wozu?
Wo Sinn-, Werte- und Ziellosigkeit herrschen, erkranken sowohl Menschen als auch Unternehmen. Der Krisenfaktor Nummer eins ist das Sinnlosigkeitsgefühl. Dies hängt damit zusammen, ob einer weiß, was er will und ob er will, was Sinn hat. Hier müssen Krankenhausdirektoren und Führungskräfte in Krankenhäusern als "Verantwortungselite" Werte klären, deutlich machen, vorleben und mit den Mitarbeitern verwirklichen.
Viele Menschen wissen heute wovon sie leben, aber nicht mehr wofür.
Der Sinn ging verloren. Was Menschen aber – auch im Unternehmen – brauchen, ist etwas, was sie anzieht, etwas, wofür es sich lohnt zu leben - ein Lebensinhalt. Oder mit den Worten Friedrich Nietzsches ausgedrückt: „ Wer ein Warum zu leben hat, erträgt fast jedes Wie.“ Wird der Sinn des Lebens nun unsichtbar, so entwickelt sich daraus ein Streben nach Macht, Lust, Prestige, Geld, Gewinn. Dies führt zu sinnwidrigen Aktionen wie zum Beispiel einem starken Hetzen und Jagen nach Erfolg, zu Veränderungen auf Biegen und Brechen. Und als Ergebnis nach einiger Zeit stellt sich inneres Müdesein, Leersein, Versagen, abgestumpft Sein, nicht mehr weiter wollen, fliehen vor sich und der Welt, Burnout beim Einzelnen wie im gesamten Unternehmen ein.
Sinn ist das wesentliche Motiv des Menschen, der wesentliche Beweggrund. Sinnlosigkeit führt dagegen zu Verzettelung, Leistungsabbau, Druck, Zwang, Angstsituationen, Aggression, Depression bis hin zu Sucht und Drogenmissbrauch. Eine Studie der Unternehmensberatung Kienbaum an 437 Führungskräften hat gezeigt, dass mehr als 60 Prozent neurotisch gestört sind – die Hälfte davon mittel bis schwer.
Sinn kann nur gefunden werden
Was ist "Sinn"? Sinn kann nicht gegeben, verordnet, vorgeschrieben werden - Sinn kann nur gefunden werden. Sinn ist das, wofür Menschen leben wollen. Sinn ist in einem Unternehmen die Art und Weise, wie die verschiedenen Funktionen und Leitungen füreinander sind. Sinn ist das, "was allen am Prozess Beteiligten von Vorteil ist".
Sinnvolles Tun schafft mehr innere Ruhe, mehr Ordnung, mehr Harmonie, verstärkt Einsatzbereitschaft, erhöht die Kreativität, erzeugt mehr Belastbarkeit - Menschen sind leistungsorientierter und emotional stabiler.
Dr. Walter Böckmann schreibt in seinem Buch "Wer Leistung fordert, muss Sinn bieten" sehr deutlich:
- Leistung entsteht nicht fremd motiviert, nach fremd gesetzten Normen, durch Geldprämien und Angst um den Arbeitsplatz.
- Leistung bedeutet nicht gemessen werden am Durchschnitt der anderen.
- Leistung drückt sich nicht aus als rentabilitätsgerechtes, produktivitätsgerechtes, rationalisierungsgerechtes Verhalten.
- Leistung heißt vielmehr aufgrund selbst entschiedener oder mitgestalteter Ziele freiwillige Ergebnisse zu bringen.
- Leistung bedeutet eigen motiviert nach selbst gesetzten Normen zu handeln.
- Leistung wird entwickelt im Wettstreit mit sich selbst, gemessen an der eigenen Bestleistung.
- Und Handeln unter echten Leistungsbedingungen ist immer auch sinnvolles Handeln.
Erfolgreiche Führung bedeutet seine Mitarbeiter erfolgreich machen.
Wir brauchen dazu Führungskräfte, die als Verantwortungselite Werte klären, deutlich machen, vorleben und mit den Menschen im Unternehmen verwirklichen.
Werte sind Richtlinien für gelingendes Leben und Zusammenwirken innerhalb eines Unternehmens. Beispiele solcher Werte sind: Verantwortlichkeit, Fairness, Tatkraft, Handlungsspielraum, Kontakt in der Gruppe, Mitbestimmung, Akzeptanz, Mut, Vertrauen, Kreativität, Einstellung zum Unternehmen, Dankbarkeit, soziales Mit- und Füreinander, Umweltorientierung.
Welche Werte in einem Unternehmen von Bedeutung sind, auf welche Werte ein Unternehmen ausgerichtet ist, muss geklärt und bei allen Mitarbeitern bekannt sein, denn ein Unternehmen ist eine Wertegemeinschaft. Wo sind die Defizite in Unternehmen bezüglich einer sinn- und Werte orientierten Führung und zugleich die Aufgaben für die Veränderung?
- Qualitative Orientierungen, wie Unternehmens-Vision, -Philosophie und –Leitbild fehlen oder werden nicht bewusst gelebt.
- "Spielregeln" für das Zusammenwirken der Führungskräfte fehlen oder werden nicht bewusst gelebt.
- Unklarheit über die Führungsinstrumente, so dass Führungskräfte "nach Gutdünken" führen bzw. leiten.
- Mangelnde Arbeitsorganisation und Gestaltung.
- Spannungsgeladene soziale Situationen.
- Demotivierender Führungsstil.
- Problemverursachende oder Spannung fördernde Kommunikation.
Findet man solche Defizite in Unternehmen vor, so ist es kein Wunder, wenn die Führungskräfte und Mitarbeiter an einem "sinnlosen Leben leiden". Es gilt, Möglichkeiten der Sinnführung und Sinnverwirklichung zu bieten. Dazu haben Führungskräfte nachfolgende Verantwortung:
- Die Freiheit der Entscheidung dem anderen innerhalb seines Aufgabenbereiches lassen.
- Die echte Verantwortung dem anderen innerhalb des geklärten Kompetenzrahmens lassen.
- An Sinnfindung und Sinnverwirklichung immer wieder appellieren.
- Das "Wofür" bei Ziel und Maßnahmen klären.
- Die Entscheidungsfähigkeit fördern.
- Das Vertrauen wecken, fördern und stärken
Bedenken wir: Alle Systeme sind auf Sinn eingestellt, und dieser Sinn heißt Dienstleistung gegenüber der Umwelt. Dies kann sein: der Patient, der Kollege und die Kollegin oder jemand in der Öffentlichkeit.
Die große Herausforderung für Führungskräfte in Krankenhäusern ist es, die Leistungsfähigkeit ihres Hauses (Unternehmens) zu gestalten. Führung muss heißen, Mitarbeiter erfolgreich zu machen. Führung bedeutet heute ermutigen, ermuntern, unterstützen, helfen, moderieren, coachen, fördern und fordern.
Die entscheidende Frage von Führungskräften muss lauten: „Was kann ich für Sie als Mitarbeiter tun?!“ Der Mitarbeiter ist der Kunde der Führungskraft! Bedenken wir, dass Mitarbeiter Träger von Leistung sind! Es geht nicht darum, andere zu verführen, sondern sie zu führen – zu einer echten, vollen Leistung zu führen. Dies geht über die Sinnfindung durch Werteverwirklichung. So wird Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter ermöglicht und der entscheidende Beitrag für das Leben und Weiterleben des Betriebes geleistet.
FÜHRUNGSINSTRUMENTE SIND:
- ZIELVEREINBARUNG
- AUFGABEN ÜBERTRAGEN UND DELEGATION
- KONTROLLE
- ANERKENNUNG UND KRITIK
- FÜHREN VON BESPRECHUNGEN UND MEETINGS
- LEISTUNGSBEWERTUNG
- FÖRDERGESPRÄCH







