Mobbing - ein neues Gesellschaftsspiel
Viele Vorgesetzte und möglicherweise auch Sie denken: "Mobbing gibt es bei uns nicht!"
Von Außenstehenden wird Mobbing oft nicht oder zu spät wahrgenommen. Vielleicht ist in diesem Moment ein Mitarbeiter Ihres Unternehmens oder jemand aus Ihrer Familie einer solchen Attacke ausgesetzt. Aktuelle Zahlen der Universität Frankfurt/Main sprechen von insgesamt 1,6 Millionen Mobbing-Opfern in Deutschland, einer Umfrage von TNS Emnid zufolge ist jeder sechste Mitarbeiter schon einmal gemobbt worden.
Immer häufiger erleben wir es bei unserer Arbeit in mittelständischen Unternehmen: Da wird denunziert und intrigiert und man fragt sich: Was sind die Ursachen für diese Entwicklung? Warum machen viele Menschen sich gegenseitig das Leben schwer? Bleiben in wirtschaftlich anspruchsvolleren Zeiten Werte wie Teamfähigkeit, Menschlichkeit und Respekt voreinander auf der Strecke?
Mobbing beschreibt eine eskalierte, schwer einzudämmende Konfliktsituation zwischen Kollegen und/oder zwischen Arbeitnehmern und Vorgesetzten und ist ein sich aufbauender Prozess, der sich über viele Monate, manchmal Jahre hinzieht und sich mit jedem Tag verschärft. Mobbing findet dabei nicht nur zwischen gleichrangigen Mitarbeitern statt. Auch Führungskräfte können als Opfer betroffen sein oder aber selbst Psychoterror ausüben.
Mobbing ist keine kurzfristige Konfliktsituation unter Kollegen, mit Vorgesetzten oder innerhalb von Abteilungen. Ein besonderes, wesentliches Merkmal ist das dauerhaft abwertende, systematische und gesteuerte Verhalten gegenüber einem Einzelnen.
Von Mobbing betroffene Mitarbeiter sehen sich mit einfachen Stresssymptomen wie Schlafproblemen bis hin zu psychischen Erkrankungen konfrontiert und können sich bis hin zum Selbstmord getrieben fühlen.
Auch der ökonomische Aspekt ist nicht zu vernachlässigen: Die durch Mobbing verursachten Kosten sind hoch. Für das Unternehmen ergeben sich Kosten durch Fehlzeiten und Minderleistungen. Häufig werden Informationen nicht mehr weitergegeben, dadurch Prozesse und Abläufe blockiert, was zu Kundenreklamationen bis hin zu Kundenverlusten führen kann. Da es sich meist um Fach- und Führungskräfte handelt, sind auch die Folgekosten einer (mobbingbedingten) Fluktuation oder Kündigung nicht zu unterschätzen: Know-How-Verlust, erneute Personalsuche und Einarbeitung.
Gibt es in Ihrem Betrieb Anzeichen von Mobbing?
- Entstehen in Ihrem Unternehmen bzw. innerhalb eines Teams zunehmend Cliquen und Seilschaften?
- Verlaufen fachliche Diskussionen vermehrt emotional und aggressiv?
- Werden Informationen nicht oder nur unzureichend weitergegeben?
- Beobachten Sie vermehrt unkollegiales, wenig hilfsbereites Verhalten?
- Herrscht in Ihrem Team verstärkt Misstrauen?
- Wird ein Mitarbeiter verstärkt ausgegrenzt?
- Werden Informationen falsch oder nur unzureichend übermittelt?
- Werden einem Mitarbeiter Aufgaben übertragen, die unangenehm oder sinnlos sind?
- Wird ein Mitarbeiter gedemütigt oder verspottet?
Wenn Sie mehr als 2 Fragen mit "ja" beantworten, dann befinden Sie sich vermutlich mitten in einem Mobbing-Prozess. Wenn Mobbing im Team entsteht, ist der Vorgesetzte gefordert. Je früher er eingreift, desto besser sind die Chancen einer Lösung. Der Arbeitgeber ist aufgrund seiner umfassenden Fürsorgepflicht verpflichtet, den Arbeitnehmer zu schützen und auf das Verhalten der anderen Einfluss zu nehmen.
Vor einem Erstgespräch mit dem vermeintlichen Mobbingopfer ist es wichtig, konkret zu prüfen, um welchen Konflikt es sich handelt. Es empfiehlt sich, nicht vorschnell Partei zu ergreifen, die Täter/Opfer/Retter- Beziehungen sind oft viel komplexer als zunächst angenommen. Nach einer gründlichen Konfliktanalyse können in dieser frühen Phase Vermittlungsgespräche mit den Betroffenen dem Psychoterror noch ein Ende setzen.
Ist schon ein fortgeschrittenes Mobbing erreicht?
- Fehlt ein Mitarbeiter sehr häufig?
- Fühlt er sich schnell angegriffen?
- Haben seine Leistungen sehr stark nachgelassen?
- Ist er oft ängstlich und deprimiert, unausgeglichen, gereizt, schnell verunsichert oder in sich gekehrt?
In dieser Phase sind die Chancen, noch eine Konfliktlösung zu finden, nur gering. Der Betroffene ist stigmatisiert und isoliert, seine Fehler häufen sich infolge der immer größer werdenden Belastung, bisher unbeteiligte Kollegen reagieren auf das veränderte Verhalten des Gemobbten. Er kommt aus eigener Kraft aus diesem Teufelskreis nicht mehr heraus. Nun wird er auch zum "Problem" für den Arbeitgeber, der mit arbeitsrechtlichen Maßnahmen auf das "Fehlverhalten" des Mitarbeiters reagiert. So führt ein zu spät erkanntes Mobbing in aller Regel mit einer Kündigung - entweder durch den Arbeitnehmer selbst, der dem Druck nicht mehr standhält, oder durch den Arbeitgeber. Die so verursachten betriebswirtschaftlichen und gesellschaftlichen Kosten sind hoch und die gesundheitlichen und sozialen Folgen für den Betroffenen verheerend.
Was kann der Unternehmer tun, damit es gar nicht so weit kommt?
Ursachen für Mobbing sind fast immer in den Bereichen Organisation und Gestaltung der Arbeit, Mitarbeiterführung und dem Umgang miteinander zu suchen. Fehlende Werte oder nicht gelebte Werte und Führung im Unternehmen bieten den Nährboden für Mobbing.Der erfolgreiche Unternehmer legt Wert auf die gezielte Weiterbildung von Persönlichkeit und Fachwissen seiner Mitarbeiter und fördert Selbstverantwortung und die Freude am Tun. Durch eine transparente Kommunikation und das Vorleben der Unternehmensphilosophie werden interne Grabenkämpfe verhindert. In solchen Unternehmen verfügen Mitarbeiter über eine hohe Identifikation mit dem Team und ihren Aufgaben und es bleibt kein Raum für Mobbing.In kleinen und mittelständischen Unternehmen oder in festgefahrenen Situationen macht es Sinn, einen externen Berater hinzuzuziehen. Denn als Teil des Unternehmens ist dem Chef selbst die Aufklärung und Rekonstruktion des Konfliktes oft gar nicht mehr möglich. Auch anonyme Mitarbeiterbefragungen helfen, bestehende Konflikte zu lokalisieren und die wichtigsten Problemfelder zu identifizieren, um darauf aufbauend eine wertschätzende und starke Kommunikationskultur zu gründen. www.cumnobis.de
Literaturempfehlungen:
Hupprecht, Rolf/Schieffers, Donald, Mobbing: mit neuem Management gegen den psychischen Terror am Arbeitsplatz, Rostock (Hanseatischer Fachverlag für Wirtschaft) 1996.
Leymann, Heinz, Mobbing, Wunderlich Verlag, erschienen 2002
Ralf D. Brinkmann, Innere Kündigung. Wenn der Job zur Fassade wird, Sauer Verlag, erschienen 2002
Peter Wickler, Handbuch Mobbing – Rechtsschutz, von Müller Verlag, Heidelberg, erschienen 2004
Marie-France Hirgoyen, Die Masken der Niedertracht, Dtv Verlag, erschienen 2002
Gerhard Münster und Iris Bornkessel, Machtspiele in einem kranken System. Gewinner und Verlierer des Mobbing-Wahnsinns, Volk Verlag München, erschienen 2006
Frank Schallenberg, “…und raus bist du“. Mobbing unter Schülern – was Eltern tun können, Midena Verlag, erschienen 2002







