Maßgeschneiderte Konzepte sind gefragt - Trends und Notwendigkeiten in der Weiterbildung
Im Zentrum eines jeden Unternehmens steht die Unternehmerpersönlichkeit. Seine inneren Haltungen, seine Werte und Fähigkeiten sind für den Erfolg und seine Zufriedenheit entscheidend. Seine persönliche Entwicklung spiegelt sich im Erfolg des Unternehmens wider. Der Unternehmer im Dreieck Unternehmerperson–Unternehmen-Familie steht vor der Herausforderung, die Balance zu halten zwischen Aufgabe und Familie, zwischen Beruf(ung), persönlichen Bedürfnissen und Beziehungen. Leistung und Erfolg zwischen Stress und Spass, Freude am Tun in einer sinnvollen Aufgabe, gleichzeitig die Gefahr eines drohenden Burnouts im Falle des Balanceverlustes.
"Ich habe nächtelang in der Firma gesessen, war fast jede Woche für das Unternehmen irgendwo auf der Welt unterwegs, habe eigentlich nur noch aus dem Koffer gelebt und im Schnitt 70 Stunden die Woche geschuftet. Am Ende war ich fertig, ausgebrannt, auf und zu Ende ...!"
In diesem Zusammenhang erhält Coaching eine nie dagewesene Bedeutung. Immer mehr Führungskräfte leisten sich persönliche Berater. Denn wer über seine strategische Ausrichtung oder Anpassung nachdenkt, seine Organisation optimieren oder seine unternehmerische und persönliche Kompetenz verbessern möchte, dem ist mit Seminaren allein nicht gedient. Coachs bereiten auf neue Aufgaben vor oder helfen, eine Balance zwischen Beruf und Familie zu finden. Ein gutes Coaching hilft, sich über Erwartungen und Anforderungen Klarheit zu verschaffen und diese in die Tat umzusetzen. Doch es gilt auch, die Risiken eines Coachings zu kennen: Die Schlussfolgerungen des Coachs sind immer von seiner eigenen Persönlichkeit und Lebensgeschichte geprägt, d.h. Objektivität ist nicht möglich. Deshalb ist es wichtig, seine Erfahrungen und Fähigkeiten vorab genau zu erfragen. Der Coach darf nicht zur "eierlegenden Wollmilchsau" werden, d.h. es muss klar definiert sein, wo Coach und Coaching ihre Grenzen haben.
In welcher Weise Unternehmen die eigene Personalentwicklung, Weiterbildung und das Lernen am Arbeitsplatz in ihre Planung aufnehmen, ist vielfach abhängig von der Arbeit externer Berater. Zu diesem Ergebnis kommt ein Forschungsprojekt des BIBB, das untersucht, wie das Wissen von Beratern für die Früherkennung neuer Qualifikationsentwicklungen genutzt werden kann. Eine Betriebsumfrage im Rahmen des Projekts ergab, dass 46% der Unternehmen die Chancen der Qualifikationsentwicklung für ihr Unternehmens erst mit externer Beratung erkannten. Erfolgreich ist der Berater dann, wenn er mit den Entscheidern zusammenarbeitet, die über die Grenzen ihres Unternehmens hinweg sehen und einen nach außen und in die Zukunft gerichteten Blick besitzen. Sie sind die Schlüsselpersonen für den Veränderungsprozess. Es sind i.d.R. weniger fachliche Defizite, die im Unternehmen z.B. Engpässe im Arbeitsablauf erzeugen. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, die Kommunikation und Kooperation herzustellen und aufrecht zu erhalten. Um das zu erschließen, bedarf es einer besseren Qualität im zwischenmenschlichen Umgang. Immer weniger Führungskräfte schicken ihre Mitarbeiter zu diesen Themen in offene Seminare. Diese Form der Weiterbildung ist stark rückläufig. Erfolgweisender ist ein maßgeschneidertes Konzept, das vielseitige Aufgaben, Projektarbeit und Coaching vorsieht, ergänzt durch individuelle Trainingsmaßnahmen. An die Führungskraft stellen sich neue Anforderungen: Sie verbringt nicht länger einen großen Teil ihrer Zeit im operativen Geschäft, sondern widmet sich vorrangig ihrer Führungsaufgabe. Das bedeutet, die Führungskraft als Personalentwickler muss coachen, offenes Feedback geben, delegieren, Vorbild sein, optimale Rahmenbedingungen schaffen und Potenziale fördern. Auf diese Aufgabe müssen Führungskräfte vorbereitet werden bzw. regelmäßig Rückmeldung zu ihrem Führungsverhalten und ihren –fähigkeiten erhalten.
Die aktuelle Studie vom "Future Trend Institute", Beratungsunternehmen für strategisches Management in Wien und Boston zeigt neue Entwicklungen für die Beziehung zum Kunden auf: Die langfristige Bindung einer möglichst hohen Anzahl von profitablen Kunden steht an erster Stelle aller unternehmerischen Bemühungen. Erst an zweiter Stelle folgt die Notwendigkeit, mit innovativen Leistungen neue Märkte zu schaffen. "Kunden zufrieden zu stellen, reicht nicht mehr aus", meint der Leiter der Studie, Dr. Peter Kreuz. "Nur wer seine Kunden begeistern kann, wer Emotionen anspricht und Sehnsüchte weckt, wird dem gnadenlosen Preiswettbewerb entkommen können." Der Servicegedanke wird im gesamten produzierenden Gewerbe immer wichtiger, der Wandel vom produktorientierten zum serviceorientierten Unternehmen immer deutlicher. Produkte können kurzlebig, Beziehungen zum Kunden dauerhaft sein. Horst W. Opaschowski, der bekannte Zukunftsforscher wirft einen Expertenblick in die Zukunft der westlichen Welt: "Die Dienstleistungsgesellschaft ist bis heute...ein Hoffnungsträger geblieben, ihre Verwirklichung lässt aber zu Beginn des 21.Jh.s noch weiter auf sich warten." Es ist notwendig, die Unternehmenskultur um eine Servicementalität bei den Mitarbeitern zu erweitern. Für Führungskräfte und Trainer bedeutet dies, ihre Vertriebsmitarbeiter insbesondere in deren Beziehungskompetenz zu unterstützen. Dies setzt verstärkt die Führungs- und Trainingsarbeit mit der individuellen Persönlichkeitsstruktur des Einzelnen und dem Verkaufsverhalten voraus und weniger an den "harten Fakten" wie Verkaufsgespräch, Einwand- und Reklamationsbehandlung.
Die Schnittstelle Mensch-Mensch wird zur wichtigsten Quelle für Produktivität und Wachstum. Nach dem 6. Kondratieff sind die wichtigsten Wachstumsbarrieren die unzureichende Produktivität der zwischenmenschlichen Beziehungen und die ökologischen und gesundheitlichen Schäden, die der Industrialisierungsprozess der letzten 200 Jahre hinterlassen hat. Gesundheit und Bildung sind die Themen der nächsten Jahrzehnte, insbesondere Gesundheit im ganzheitlichen Sinne –körperlich, seelisch, geistig, sozial, ökologisch- als Grundlage für die Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft.
Autorin: Doris Beck, CUM NOBIS
Quellen:
Berufsbildungsbericht des BIBB, Bundesministerium für Bildung und Forschung
Studie für Marketing und Management, Future Trend Institut, Wien und Boston
Wir werden es erleben, Horst W. Opaschowski
Der sechste Kondratieff, Leo A. Nefioda






